Link-s.Gelenkt Interview mit Ex-MdB Dr. Ilja Seifert

Ilja Seifert
Ilja Seifert

 

Am 6. Mai 1951  in Berlin geboren

Bundestagsabgeordneter von 1990-1994; 1998-2002;2005-2013

Wahlkreis: Löbau-Zittau – Görlitz – Niesky.(Sachsen)

 

Zunächst möchten wir uns ganz herzlich dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit nehmen, um Link-s.Gelenkt ein paar Fragen zu beantworten.

Sie gehörten 16 Jahre lang, mit einigen Unterbrechungen, dem Deutschen Bundestag an – das ist eine lange Zeit. Wie würden Sie die Tätigkeit als Abgeordneter hinsichtlich Abwechslungsreichtum (oder Monotonie) beschreiben?

Ilja Seifert: Langeweile kam (bei mir & meinem Team) nie auf. In den Plenarsitzungen kann es manchmal sinnvoll sein, langatmige Redebeiträge von Koalitionären mit gespieltem Desinteresse zu „kommentieren“. Das ist ein ebenso legitimes Verhalten wie Zwischenrufe und Zwischenfragen.

Aber die meiste Zeit arbeitete ich ja außerhalb des Plenums. Es gab ungezählte Gespräche, Begegnungen, Veranstaltungen, Beratungen usw. Überall lernte ich hinzu. Schließlich sah ich meine Aufgabe darin, Eindrücke, Erfahrungen, Probleme und auch Konzepte bzw. konkrete Lösungsvorschläge aus dem „richtigen Leben“ – z.B. aus der Behindertenbewegung – ins Parlament zu tragen. Und gleichzeitig mein dort erworbenes Wissen an der Basis mitzuteilen.

 

Der Altersdurchschnitt der Partei „Die Linke“ ist erstaunlicherweise sogar höher als jener der CSU. Denken Sie eine Verjüngung der Partei, angefangen bei jungen Abgeordneten in den Parlamenten, ist zwingend notwendig? 

Ilja Seifert: Selbstverständlich ist es für jede Organisation immer wichtig, junge Leute aufzunehmen und ihnen breite Entfaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. Aber mir erschien eine produktive Kooperation von Angehörigen mehrerer Generationen nicht weniger wichtig. Insofern stimmt es zwar, daß der Altersdurchschnitt in der LINKEN hoch ist. Sehe ich mir aber unsere Gremien – von Orts- und Kreisvorständen/Kreisdelegiertenkonferenzen an über die Landes-, Bundes- und Europaparteitags- und Abgeordnetenebene – an, habe ich keinesfalls den Eindruck, daß „die Jugend“ unterrepräsentiert wäre.

In meinem Politikverständnis sind weder Jugend noch Alter noch Geschlecht noch Fachwissen noch das Vorhandensein einer Behinderung  a l l e i n  eine ausreichende Qualifikation zur Übernahme eines Amtes oder Mandats. Es müssen mindestens noch enge Vernetzungen innerhalb gesellschaftlicher Gruppen (und möglichst auch zwischen ihnen) sowie die Fähigkeit hinzukommen, sowohl zu führen als auch gleichzeitig breite Entfaltungsmöglichkeiten für Andere zu eröffnen.

Wir als junges sozialistisches Portal sehen uns häufig mit Vorwürfen bezüglich der DDR und Stasi konfrontiert. Denken Sie, wenn Die Linke nicht die Nachfolgepartei der SED wäre, hätte sie bessere Chancen gesellschaftlich breiter akzeptiert zu werden?

Ilja Seifert: Nein. Die SED ist Teil unserer Geschichte. Sie zu leugnen, wäre dümmlich.

Sie sind bereits mehrmals über die sächsische Landesliste in den Bundestag eingezogen. Im sächsischen Landesparlament ist mit derzeit [noch] rund 10% die NPD vertreten und eben jener Landesverband dankte kürzlich der CSU dafür, dass sie eines ihrer Kernthemen, die „Armutsintegration“,  „salonfähig macht“ (O-Ton NPD-Sachsen). Sehen Sie die Gefahr, dass diese populistischen Forderungen der CSU die NPD wiedererstarken lassen könnten? 

Ilja Seifert: Ja. Diese Gefahr ist groß. Wir müssen ihr offensiv entgegentreten.

 

Glauben Sie, dass Die Linke im Herbst bei der Landtagswahl in Thüringen reelle Chancen hat, den Ministerpräsident zu stellen?

Ilja Seifert: Ja. Wir verfügen über ein klares Programm, einen fähigen Kandidaten und um ihn herum kluge, engagierte und durchsetzungsfähige Mitstreiterinnen und Mitstreiter unterschiedlichen Alters und Geschlechts, mit und ohne Beeinträchtigungen sowie verschiedener Temperamente.

 

Mit wem würden Sie lieber einen Wochenendausflug machen: Erika Steinbach oder Alexander Dobrindt?

Ilja Seifert: Weder noch.

 

Und zum Schluss: Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich…

Ilja Seifert: . . . kein Gebäude mehr betreten/berollen, das nicht barrierefrei ist.

 

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen! 

 

12. Januar 2014

 

Die Fragen stellte: Tim Zborschil

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