Diether Dehm im Link-s.Gelenkt. Interview

KURZINFO ZU DR. DIETHER DEHM:

dieter dehmpromovierter Dr. phil.; Geschäftsführer des Musikverlags „Edition Musikant“; Autor und erfolgreicher Liedermacher und Songschreiber für u.a. Joe Cocker, Udo Lindenberg oder Geier Sturzflug.

1966-1998 Mitglied der SPD, u.a. auch im Bundestag

1998: Eintritt in die PDS

1999-2003 stellvertretender PDS-Parteivorsitzender

2005-heute Mitglied des Bundestages für DIE LINKE und europapolitischer Sprecher der Fraktion; seit 2010 im Bundesvorstand und Schatzmeister der Europäischen Linken (EL)

 

2013 war ein bitteres Jahr für die niedersächsische LINKE. Welche Auswirkungen hatte das Ausscheiden aus dem Landtag für den Landesverband?

Diether Dehm: Gravierende, v.a. für den Parteiaufbau. Und leider sind auch die außerparlamentarischen Kräfte und die Kulturarbeit seit der Bundestagswahl sehr lädiert.

 

Sie sind seit Dezember 2010 Schatzmeister der Europäischen Linken (EL). Können Sie uns kurz Ihre Aufgaben und Ihren Tätigkeitsbereich in diesem Amt skizzieren?

Diether Dehm: Die Kasse in Ordnung zu bringen – und zu halten! Darüber hinaus liegt mir v.a am Herzen, die Kulturarbeit mit hinreichend Mitteln zu versehen. Da war ich auch recht erfolgreich: bspw. beim seit nunmehr vier Jahren stattfindenden Jahresauftakt der EL in der Volksbühne, bei den Karikaturplakaten und jetzt aktuell für die Wahlen zum EP der von den bots geschriebene Europasong.

 

DIE LINKE steht momentan aufgrund eines kritischen Satzes im EU-Wahlprogramm am „Anti-Europa“-Pranger. Wie stehen Sie zur Formulierung, die EU sei „militaristisch“?

Diether Dehm: Dazu sage ich nur und noch immer: Europa ist die große Friedensidee – aber diese EU ist imperialistisch konstruiert.

 

Die Große Koalition bringt nun, zumindest laut Koalitionsvertrag, den Mindestlohn in Höhe von 8,50 € auf den Weg. Ist das für Sie ein positives Signal, nachdem die PDS/LINKE fast 12 Jahre im Bundestag für einen solchen Mindestlohn kämpfte?

Diether Dehm: Ein Mindestlohn von 8,50 Euro, wie Union und SPD ihn ankündigen, ist immer noch ein Armutslohn, damit wird Augenwischerei betrieben. Heute (21.03.) steht auf der Tagesordnung des Bundestag dazu ein Mindestlohn-Antrag von uns, in dem DIE LINKE drei Forderungen formuliert. Erstens: Es wird ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 10 Euro Brutto pro Stunde eingeführt. Zweitens: Der Mindestlohn wird jährlich dem Lohnindex angepasst. Drittens: Der Mindestlohn gilt für jedes Arbeitsverhältnis.

 

Sie bezeichnen sich selbst als „Marxist“. Im letzten Jahr wurde Marx‘ „Kapital“ zum Weltkulturerbe ernannt. Fühlen Sie sich dadurch in Ihren Ansichten und Überzeugungen bestätigt?

Diether Dehm: Dadurch nicht so sehr, sondern eher durch die Bankenkrise in der EU und die Verbrechen von Großbanken und Rüstungskonzernen.

 

Sie waren lange Zeit Mitglied der SPD. Angenommen Sie müssten sich heute zwischen SPD und MLPD entscheiden, worauf fiele Ihre Wahl?

Diether Dehm: Für die MLPD keinesfalls, da sie an einer naiven Stalin-Verehrung festhält. Aber genauso wenig für die SPD, die – mit Ausnahme der Kanzlerschaft von Willy Brandt – sich immer als Ausputzer für das Großkapital betätigt hat.

 

Alexander Dobrindt sagte im November auf dem CSU-Parteitag: „Mit Links-Kommunisten koaliert man nicht. Die Linkspartei bekämpft man.“ Fühlen Sie sich durch solche Äußerungen persönlich angegriffen? Herrscht zwischen LINKEN und CSU eine Art „Eiszeit“ oder haben Sie auch engeren Kontakt zu CSU’lern?

Diether Dehm: Ich bin mit Peter Gauweiler bekanntlich eng befreundet und gelegentlich eint uns bei NATO-Kriegseinsätzen (oder ganz aktuell der Ukraine-Konflikt, in dem Gauweiler ebenfalls eine differenzierte Sichtweise einnimmt und russische Befindlichkeiten mit denkt) die gemeinsame Ablehnung.

Herr Dehm, Sie sind ja auch Autor vieler erfolgreicher Songs, haben Romane und Gedichte geschrieben. Was gibt es in diesem Bereich Neues von Ihnen?

 

Diether Dehm: Ja, ich brauche die künstlerische und kreative Arbeit um Kraft zu schöpfen für den politischen Alltag. Viel Spaß hat mir beispielsweise das Schreiben von Sketchen für die Satire Sendung „Hurra Deutschland“ gemacht. Natürlich juckt es mich in den Fingern auch aktuelle Ereignisse satirisch zu kommentieren. Nach der hervorragenden Sendung „Die Anstalt“ kürzlich konnte ich nicht widerstehen an diese lieb gewonnene Tradition des satirischen Ausdrucks anzuknüpfen.

Demnächst wird die Kanzlerin zum Freien Handel mit unseren amerikanischen Freunden eine Botschaft an die Nation richten.

 

Eine etwas lockerere Frage: Würden Sie gerne einmal Urlaub auf den Cayman-Islands, dem Steuerparadies schlechthin, machen?

Diether Dehm: Schon weil ich ungern lange fliege, würde mir als allerletztes eine Stippvisite in ein kriminelles Steuerparadies einfallen. Statt dessen plädiere ich für einen demokratischen Wirtschaftskrieg, um solche Oasen auszutrocknen.

 

Und zum Schluss, vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich […]“

Diether Dehm: …eine Volksabstimmung zur Vergesellschaftung der Deutschen Bank, den ehemaligen Nazi-Finaziers und heutigen Spekulanten mit dem Hunger in der Welt, durchführen.

 

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

_________________________

Die Fragen stellte: Tim Zborschil

Veröffentlicht am: 23.03.2014

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.