Youtuber SRSLY im Interview mit Link-s.Gelenkt

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Heute im Link-s.Gelenkt. Interview: Lars Paulsen, besser bekannt als SRSLY, der bekannte YouTuber und Politologe stellt sich unseren Fragen zu den Themen neuen Medien, freiem Journalismus und der Verantwortung gegenüber seinen zumeist sehr jungen User_Innen. (Hier gehts zu SRSLY’s YouTube Channel. )

Daniel: Wer bist Du und was machst machst Du?

Srsly: Ich bin Lars Paulsen und habe einen Kanal auf YouTube – Srsly –, auf dem ich zwei Hauptformate betreibe: zu einem die Srsly-News, auf dem ich aktuelle Geschehnisse aus der Politik kurz und unterhaltsam zusammenfasse, damit es auch ein jüngeres Publikum versteht, und die Srsly-Show, die mein poetisches Satire-Format, bei dem der Fokus auf Comedy liegt.

Wie bist Du darauf gekommen, das zu machen?

Srsly: Das ganze entstand aus einem Projekt meine Moderatorenausbildung, in dem ich dieses Format entwickelt habe, und läuft bis heute weiter.

Was denkst Du, was Deine Aufgabe im Internet ist ?

Srsly: Zu erst einmal denke ich, dass viele junge Menschen auf YouTube unterwegs sind und alleine aus diesem Grund macht es Sinn zu schauen, was es an Formaten zu aktuellen Themen bereits auf YouTube gibt. Mir ist dann aufgefallen, dass Nachrichten und Politik sehr halbherzig und polemisch behandelt werden und eine gewisse Neutralität selten bei den bereits vorhandenen Formaten vertreten ist. Aus diesem Grund habe ich entschieden, dass YouTube die Plattform ist, auf der ich meine Meinung mit meiner Art und Weise äußern kann, um junge Menschen politisch zu bilden. Mein Hauptziel ist es aus diesem Grund, jungen Menschen zu zeigen, wie sie Themen be- und verarbeiten können.

Was machst Du anders als konventionelle Medien?

Srsly: Konventionelle möchte ich gar nicht angreifen, aber ich glaube, dass sich auf YouTube vermehrt Personen aufhalten, die beispielweise bei jedem kontroversen Thema der Meinung sind, die Moralkeule zu schwingen, gleichzeitig aber die Todesstrafe für alles und jeden verlangen, ohne zu sehen, dass es immer noch um Menschen geht. Und genau da greife ich dann ein und erinnere sie daran, dass dieser eine Punkt nicht vergessen wird und versuche, die Gegenseite zu beleuchten, um den jungen Menschen die Entscheidung zu lassen, welche Seite für sie die richtige ist.

Wo würdest Du Dich politisch positionieren, wenn es um Deine Meinung geht?

Srsly: Ich bin Journalist und aus diesem Grund brauche ich mich nicht zu einer politischen Richtung bekennen und behandele jedes Thema individuell. Ich mache mir Gedanken, was ich für richtig halte und gehöre zu keiner politischen Partei.

Verfolgst Du den Zweck, die jungen Leute, die Du ansprichst, zu politisieren?

Srsly: Ich musste leider feststellen, dass es viele rechte Spinner auf YouTube und im Internet gibt, die relativ gut organisiert sind. Ich versuche einen Gegenpol dazustellen, der dagegen ankämpft und Themen behandelt, mit denen ich den ein oder anderen jungen Menschen von meiner Meinung zu überzeugen versuche. Im Rechtsextremismus gibt es keine richtige Meinung und rechtsextremistische Meinungen erkenne ich nicht an und lehne ich ab. Ich versuche mit Argumenten zu erklären, warum deren Meinung Schwachsinn ist und warum es diese Meinungen nicht geben darf. Meine Aufgabe ist es also, junge Menschen davor zu bewahren, in dem rechten Sumpf reinzukommen, weil ich glaube, dass wenn man jung und indifferent ist, ganz schnell da rein rutscht, weil deren Argumente verlockend klingen, wenn man nicht politisiert ist; aber eben nicht gerechtfertigt sind.

Wie alt sind die Personen, die Deine Videos schauen?

Srsly: Der Großteil meiner Zuschauer sind zwischen 15 und 19 Jahre alt.

Also sind Deine Zuschauer_Innen noch meist Personen, die ihre Schullaufbahn noch nicht beendet haben. Fühlst Du Dich in der Rolle eines Lehrers?

Srsly: Es hat tatsächlich mal ein Zuschauer gesagt, dass ich Themen auf einer Art und Weiße behandele, wie sie im Unterricht nicht zu finden sind. Dann fühlt man sich selbstverständlich wie ein Gesichts- und Politiklehrer, aber ich bin auch nur eine Person, die sich aus verschiedenen Quellen Information raussucht und das wiedergibt. Genau das könnten meine Zuschauer auch machen und das sollen sie lernen.

Würdest Du sagen, dass es auf Grund von Defiziten in der Schule notwendig ist, dass Personen wie Du, Schüler_Innen bilden?

Srsly: Ich würde nicht unbedingt von Defiziten sprechen, aber es ist eine andere Sache, wenn Dein Lehrer Dir etwas beibringen will oder ein satirischer YouTuber Dir etwas amüsant erklärt. Die Schulen leisten genug, aber YouTuber haben einen anderen Zugang zu jungen Leuten und genau das ist mein Vorteil, denn diese Personen sind durchaus an Politik interessiert und nicht „politikverdrossen“, man muss es ihnen nur auf eine neuen Art vermitteln und YouTube ist ein Medium, welches diesem Anspruch gerecht wird.

Wie siehst Du andere YouTuber_Innen, die nicht politisch sind, aber eine Menge junger Leute als Zuschauer_Innen haben? Müssen sie sich einer Verantwortung als Person der öffentliches Leben stellen?

Srsly: Es haben durchaus auch nicht-politische-YouTuber_Innen eine Berechtigung, aber wenn sie etwas sagen, was politisch ist, dann müssen sie besonders aufpassen, weil sie eine enorme Wirkung auf junge Menschen haben und auf diese abfärben. Grundsätzlich finde ich es absolut berechtigt, dass es Kanäle gibt, die nicht politisch sind.

Was für Schwierigkeiten siehst Du bei einem so jungem Publikum?

Srsly: Bei wachsenden Abonnentenzahlen wächst natürlich die Verantwortung und ich mache mir natürlich Gedanken, was für einen schwarzen Witz ich raushauen kann; aber wenn meine Zuschauer im Internet andere Sachen sehen, dann verkraften sie auch meinen Humor.

Natürlich muss man aber schauen, dass wenn junge Leute Sarkasmus und Ironie noch nicht verstehen, dass es erkenntlich ist und keine falschen Inhalte vermittelt werden.

Glaubst Du, dass mediale Nachrichten sich auf das Internet übertragen wird?

Srsly: Das ist die alte Frage, die niemand beantworte kann. Ich würde sagen, dass das Fernsehn nicht ausstirbt. Früher hat man auch gesagt, dass es bald keine Bücher mehr geben wird und siehe da: Es gibt noch Bücher. Ich glaube, dass Fernsehn weiterhin existieren wird, aber es wird eine große Konkurrenz durch das Internet geben und das öffentlich rechtliche Fernsehehen muss darauf achten, dass sie diesen Trend mitmachen. Es gibt ja auch einen Grund, warum das Internet im Trend ist. Viele junge Menschen wollen ein anderes Programm sehen und das bekommen sie nur im Internet. Fernsehen sollte sich nicht aufgeben und mutiger werden.

2017 werden wir die nächste Bundestagswahl haben. Wirst Du versuchen, Deine Zuschauer zu lenken?

Srsly: Ich habe bereits in der letzten Bundestagswahl 2013 Videos gemacht. Ich habe damals schon gesagt, dass ich mich über jede Partei lustig machen werde und dabei bleibe ich. Meine Zuschauer sollen sich eine eigene Meinung bilden und ich halte es für gefährlich, wenn YouTuber_Innen versuchen, zu einer bestimmten Partei zu stehen. Ich will lieber die politische Willensbildung auf einer demokratischen Weise machen und bin kein Fan vom Parteienkrieg. Ich will das, was für uns das Beste ist und diese Offenheit will ich auch meinen Zuschauern zeigen. Sie sollten sich lieber auf einer neutralen Plattform bewegen, als irgendwelche Verschwörungstheorien zu studieren.

Glaubst Du, dass Ihr YouTuber_Innen die Wahlbeteiligung junger Menschen erhöhen könnt?

Srsly: Das könnte man meinen, aber auch im letztem Wahljahr haben viele junge YouTuber_Innen versucht, zur Wahl aufzurufen und es hat nicht geklappt. Wobei ich mir jetzt vorstellen könnte, dass wenn die Flüchtlingsproblematik sich weiter ausbreitet – wovon ich ausgehe –, dass sich Deutschland und Europa dem stellen müssen und sich dadurch die Wahlbeteiligung erhöhen könnte, weil es viele junge Leute animiert, sich für andere einzusetzen. Ich werde aber auf jeden Fall dafür werben, zu wählen. Ich mache mich zwar oft über Politiker lustig, aber es ist wichtig, dass wir gute Politiker haben, die sich um uns kümmern.

Augenscheinlich interessieren sich viele junge Leute für Politik. Woran liegt es dann, dass sie trotzdem nicht zur Wahl gehen, um sich zu partizipieren?

Srsly: Es ist sehr schwer zu sagen, weil ein Großteil unter 18 ist. Vielleicht sieht man bei der nächsten, dass es doch was gebracht hat. Ich habe das Gefühl, dass es ein grundsätzliches Problem ist und es viele nicht für nötig halten, weil es ihnen augenscheinlich gut geht. Durch Problemen wie die Griechenland kriege und der Flüchtlingsproblematik wird sich aber auch unsere Generation klar positionieren müssen.

Nächste Etappe Berufspolitiker. Wäre es was für Dich?

Srsly: Nein, überhaupt nicht, weil ich mich zu keiner politischen Partei zugehörig fühle und als Journalist versuche neutral zu bleiben.

Warum bist Du kein Parteimitglied?

Srsly: Ich habe während meines Studiums überlegt, ob ich einer Partei beitreten soll und erkennst, dass mir keine Partei zu 100% zusagt. Außerdem gefällt es mir nicht, dass man der Parteilinie treu bleiben muss.

Wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich zuerst….

Srsly: dafür sorgen, dass Flüchtlinge und Migranten_Innen schneller arbeiten können.

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Die Fragen stellte: Daniel Heinz

veröffentlicht: 23.09.2015

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