Kolumne: Altersrassismus in der Politik überwinden.

ttip-nöEs dürfte eigentlich jeder junge politisch engagierte und aktive Mensch kennen: Es werden einem von den Alten pauschal Kompetenzen und (Fach)-Wissen abgesprochen, faktischen Argumenten und einem Diskurs wird mit abfälligen Bemerkungen wie „Du Küken musst noch viel lernen“ aus dem Weg gegangen. Es nervt mich zu tiefst.

Ein paar Jahre mehr auf dem Buckel sagen nichts über Reife, Weisheit oder Kompetenzen aus. Man kann mit 18 ein Depp sein, aber genauso kann man auch mit 60 noch ein Depp sein. Fakt ist: Mit einer solchen Arroganz, die man schon als Altersrassismus definieren könnte, werden Parteien noch unsympathischer auf junge Menschen wirken als ohnehin schon.

Ich selbst bin seit 2012 parteipolitisch aktiv. Seit 2013 betreibe ich eine der größten politischen Jugendplattformen. Bin 2014 für antirassistisches Engagement durch den Verein Zivilcourage e.V. ausgezeichnet worden. Studiere Politikwissenschaft und Geschichte und werde zur Kommunalwahl 2016 kandidieren. Für mein noch recht junges Alter kann ich also auf einiges an Erfahrung zurückblicken. Auf mehr als so mancher – ich würde gar sagen viele – derjenigen, die mit altersbedingten Vorurteilen um sich werfen. Und so geht es nicht nur mir – hier exemplarisch dargestellt – sondern sehr vielen jungen politisch Aktiven!

Fakt ist: Parteien sind gnadenlos überaltert. Laut Parteiengesetz ist eine der Aufgaben von Parteien die Rekrutierung von politischem Person – also Nachwuchsförderung. Statt sich über aktive Jugendliche zu freuen, sie möglichst einzubinden und ihnen die Chance zu geben, sich auch in Parlamenten auszutoben, werden sie oft nur zur Mehrheitsbeschaffung missbraucht.

Man werfe einen Blick auf die Jusos, denen von Parteieliten angedroht wird, sollten sie sich gegen z.B. die Vorratsdatenspeicherung stellen, so würden sie dafür sorgen, dass diejenigen „keine Perspektive mehr in der Partei“ hätten. So berichteten es uns Juso-Delegierte aus NRW.

So wird auf kurz oder lang unsere repräsentative Demokratie in Frage zu stellen sein: Im Bundestag, der möglichst ein Abbild der Gesellschaft darstellen soll, gibt es z.B. keinen einzigen Abgeordneten unter 27 Jahren. Unter 30 sind es nur 5 von 630 (0,7%)! Ohne dass man junge Menschen einbindet, werden die Parteien in wenigen Jahren ein großes Problem haben, wenn die alteingesessenen abtreten müssen. Der Altersdurchschnitt in CSU und der LINKEN beträgt schon über 60 Jahre.

Eine Möglichkeit wäre es doch, den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in Themenfeldern von denen sie unmittelbar betroffen sind oder vor kurzem noch waren, zu betätigen. Im Bereich der Bildungspolitik wäre es enorm wichtig, würde dieses praktische Fachwissen Beachtung finden – sog. Experten können Entwicklungen und Zustände eben nicht aus eigener Erfahrung berichten. Und wenn man sich anschaut, dass sog. „Experten“ z.B. seit Jahren einen Berliner Hauptstadtflughafen kaputt reparieren, so kann die Expertise eines unmittelbar betroffenen nicht schlechter sein und vielleicht auch neue Anknüpfungspunkte in den Raum stellen.

Sicher in komplexen Fragen wie die Euro-Rettungspolitik kann ein 18-jähriger noch nicht derart bewandert sein, dass er oder sie den Vorsitz im Wirtschaftsausschuss übernehmen könnte – aber darum geht es auch gar nicht: Politikverdrossenheit kann man nur begegnen, wenn man junge Menschen integriert und sie heranführt – oder manchmal auch ins kalte Wasser schmeißt. Sie brauchen das Gefühl, dass man ihnen etwas zutraut, sonst werden sie sich schnell abwenden und in progressiven NGOs ihren Platz finden und sich nicht mehr von den Parteien instrumentalisieren lassen.

Legt Euren Altersrassismus ab! Streitet in der Sache und reduziert einen Menschen nicht auf das Alter – so wie wir das Patriarchat stürzen müssen, müssen wir auch auf ein integratives Klima bezogen auf das Alter hinarbeiten.

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